Und dann…

Genesungsbegleitung

Die Forderung nach mehr Einbeziehung von Psychiatrie-Erfahrenen ist eine politische, fachliche aber auch menschenrechtliche Position. Die Lebenssituation von Menschen in psychischen Krisen zu verbessern, war die Ursprungsmotivation, aus der heraus der EX-IN Kurs entwickelt wurde. Daraus ist eine soziale Bewegung entstanden, innerhalb derer sich viele Menschen bundesweit ehrenamtlich engagieren. Gleichzeitig qualifiziert der Kurs zum EX-IN Genesungsbegleiter für eine berufliche Rolle. Psychiatrie-Erfahrene sollen die Gelegenheit erhalten, selbst in der Psychiatrischen Versorgung eine aktive Rolle einzunehmen. Der Kurs bereitet darauf vor. Die Inhalte sind sehr konsequent auf Recovery und Empowerment ausgerichtet, also auf die Stärkung von

  • Selbstbestimmung,
  • Hoffnung,
  • Selbstermächtigung,
  • individueller Sinnfindung und Verwirklichung,
  • Beteiligung am Leben in der Gemeinschaft
  • Kontrolle über das eigene Leben
  • Glauben an die eigenen Lösungsideen
  • Solidarisierung und Selbsthilfe von Psychiatrie-Erfahrenen
  • Zusammenarbeit mit Professionellen und Angehörigen an einer psychiatrischen Versorgung, die die Menschenrechte achtet
  • neuen Ansätzen im Sinne des BTHG und UN BRK

Eine der wesentlichen Aufgaben von EX-IN Genesungsbegleiter*innen ist es, die Philosophie von Recovery in die psychiatrische Praxis hineinzutragen, den vier Dimensionen von Recovery Bedeutung zu geben:

  • Hoffnungsräume eröffnen,
  • Entwicklung einer positiven Identität, eines positiven Selbstbildes fördern,
  • Entwicklung von Sinn und Bedeutung im Leben fördern,
  • persönliche Verantwortung für das eigene Leben übernehmen.

In einer ihrer Veröffentlichungen (2005) umschreibt Michaela Amering diese Philosophie mit »Hoffnung-Macht-Sinn« und setzt damit eine Leitidee für eine psychiatrische Arbeit, die sich an Recovery orientiert.

Wirksamkeit des Einsatzes von EX-IN Genesungsbegleiter*innen


Der gemeinsame Bundesausschuss der Krankenkassen (Gba) ist das oberste Gremium der Krankenhausgesellschaften und Krankenkassen und legt die Personalvorgaben und Behandlungsvorgaben für Krankenhausbehandlung fest. Erstmalig wurden für die ab 1.1.2023 geltende Fassung der „Personalausstattung Psychiatrie und Psychosomatik-Richtlinie“ EX-IN Genesungsbegleiter*innen mit aufgenommen. Dadurch ist es möglich, zentrale Aufgaben von Genesungsbegleiter*innen abzurechnen. Siehe hierzu: https://www.g-ba.de/richtlinien/113/

Die S3-Leitlinie »Psychosoziale Therapie bei schweren psychischen Erkrankungen« (2019, S. 26 ff.) bezeichnet in dem Eingangskapitel »Grundlagen psychosozialer Interventionen« Empowerment als grundsätzlichen Aspekt für die therapeutische Beziehung und Recovery als grundsätzliches Ziel psychosozialer Interventionen. Empowerment und Recovery werden damit handlungsleitend für die Psychiatrie.

Im Weiteren bewertet die angeführte S3-Leitlinie (2019, S. 156 f.) die Evidenz unterschiedlicher Formen von Selbsthilfe und geht auch auf Peer-Beratung ein. Es werden Untersuchungen zur Verbesserung der Versorgungsqualität durch die Beteiligung Psychiatrie-Erfahrener angeführt. Die Untersuchungen belegen eine Reduktion stationärer Behandlung und bessere Kontakte zu schwer erreichbaren Patienten; diese fühlen sich umfassender verstanden und akzeptiert.
Diese besseren Ergebnisse der Behandlung ergeben sich dadurch, dass Genesungsbegleitung die Möglichkeit bietet, sich mit anderen Betroffenen über gemeinsame Erfahrungen, Sichtweisen und Erklärungen austauschen zu können und sich im Rahmen einer von Akzeptanz, Verständnis und Empathie getragenen Beziehung zu begegnen. Betroffene berichten, dass die Genesungsbegleiter Hoffnung auf Genesung authentisch vermitteln und die »gleiche Sprache« sprechen. Die Interessen der Klientinnen und Klienten werden sensibler wahrgenommen; Genesungsbegleiter laden dabei immer wieder ein, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Alles Faktoren, die ein eigenes, sinngebendes Krankheitsverständnis fördern und Grundlage für Empowerment und Recovery sind. Peer-Beratung wird in den Leitlinien im Sinne eines klinischen Konsensus empfohlen. Für eine stärkere Empfehlung reicht die derzeitige Forschungslage nicht aus.

Es gibt aktuell ein großes Forschungsprojekt der medizinschen Hochschule Brandenburg:

Evaluation von Erfahrungen mit Peer- und Genesungsbegleitung ImpPeer-Psy5-Studie

Seit rund 20 Jahren arbeiten Menschen mit eigenen Erfahrungen seelischer Krisen und der Genesung davon (Peers), als Peerbegleiter*innen in psychiatrischen Versorgungseinrichtungen. Übersichten internationaler Studien zeigen, dass Peerbegleitung die Selbstermächtigung, Selbstwirksamkeit und Genesung von Psychiatrienutzenden verbessern kann. Gleichzeitig gibt es nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse und Daten zu Peerbegleitung in der deutschen Regelversorgung.

Das Forschungsprojekt ImpPeer-Psy5 erhebt und evaluiert bundesweit Erfahrungen mit Peerarbeit und analysiert den Bedarf der beteiligten Akteurinnen. Es untersucht die Bedingungen des Einsatzes von Peerbegleiterinnen und ihre Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen und Nutzerinnen, und prüft die Übertragbarkeit internationaler Studienergebnisse. Eine standardisierte Befragung richtet sich an Peerbegleiterinnen, Peers in Ausbildung, Mitarbeiterinnen und Führungskräfte aus Einrichtungen mit und ohne Peerbegleitung, sowie Nutzerinnen mit und ohne Kontakt zu Peers. Darüber hinaus erkunden Akteur*innen aus diesen Zielgruppen, in Dialogen mit Forschenden, ihre Erfahrungen im Rahmen von moderierten Gesprächsgruppen und Einzelinterviews detaillierter. Nähere Infos siehe https://www.mhb-fontane.de/imppeer-psy5-studie.html

EX-IN Genesungsbegleiter sind aus der aktuellen psychiatrie-politischen Diskussion nicht mehr wegzudenken, auf den sozialpsychiatrischen Tagungen der letzten Jahre sind immer Psychiatrie-Erfahrene unter den Vortragenden. Psychiatrie-Erfahrene sind Redaktionsmitglieder und Autoren in sozialpsychiatrischen Fachzeitschriften. Gleichzeitig entwickeln immer mehr freie Träger und Kliniken Konzepte, die den Einsatz von EX-IN Genesungsbegleiter implementieren.

Erklärfilm EX-IN Genesungsbegleitung

Hier ein Link zu einem Film, der in anderthalb Minuten auf sehr bildreiche Weise die Arbeit von Genesungsbeleiter*innen erklärt.

https://www.trinetz.de/wp-content/uploads/2020/01/Trialog-im-Netz.mp4

Hier ein weiterer Link zu einem ausführlichen Film, der die Entwicklung von EX-IN nachzeichnet anlässlich der Verabschiedung von Gyöngyver Sielaff, die am UKE Hamburg als zweite Partnerorgansiation die Entstehung von EX-IN in Deutschland gemeinsam mit Jörg Utschakowski mit FOKUS geprägt hat:

https://ex-in-hamburg.net/eine-kultur-der-wuerde

zum Seitenanfang

tätig werden

In Bremen sind mindestens 40 EX-IN Genesungsbegleiter*innen in der psychiatrischen Versorgung bezahlt tätig.

Als Fürsprecher, als Genesungsbegleiter auf psychiatrischen Stationen, in der Akutpsychiatrie, der Tagesklinik, im Betreuten Wohnen/der qualifizierten Assistenz, in Tagesstätten, als Gruppenleiter von Recovery-Gruppen, als Dozenten in Fortbildungen, als Jobcoaches, als Projektmitarbeiter, als Recovery-Beauftragte, in stationären Angeboten, im intensiv-betreuten Wohnen, etc.

Podcasts: EX-IN – Genesungsbegleitung als Teil der Therapie

Die AMEOS Klinik arbeitet mit GenesungsbegleiterInnen. In ihrer Öffentlichkeitsarbeit hat die Organisation zwei podcasts erarbeitet. Der erste Teil ist mit dem ärztlichen Direktor, Prof. Dr. Gonther, der zweite Teil mit Roman Gier, einem Genesungsbegleiter, der in der Ameos Klinik in Bremen arbeitet. Beide Interviews zusammen vermitteln einen guten Einblick in die Arbeit.

Teil I und Teil II (Links zur Website der AMEOS Kliniken)

zum Seitenanfang

Berufseinstieg einer Genesungsbegleiterin aus dem EX-IN Kurs Bremen

Madeline Albers erzählt über Selbstwirksamkeit, über Unterstützung durch Fachkräfte. Außerdem schildert eine krisenerfahrene Person, die von ihr begleitet wird, die Wirksamkeit der Unterstützung durch Erfahrungsexpert*innen in einem kurzen Filmbeitrag. Den link zum Film, gesendet in der Sendung DAS auf NDR am 14.11.2023 finden sie hier

Implementierung EX-IN

Jörn Petersen war Mitglied des Beirates in dem EU-Projekt:
Implementierung der europäischen Standards für Genesungsbegleiter unter der Leitung des Grone-Bildungszentrums.
In diesem Rahmen hat er einen Artikel für die wissenschaftliche Publikation:
„Social, Organizational and Legal Determinants of the Profession of Peer Support Workers in Europe“
verfasst, die die Ergebnisse des EU-Projektes zusammenfasst.
In dem englischsprachigen Beitrag „Experiences with the implementation of the EX-IN peer support in psychiatric services in Germany“ werden die Erfahrungen mit der Implementierung des Genesungsbegleitungsansatzes in psychiatrischen Organisationen aufgearbeitet. Es fließen die Erfahrungen von FOKUS ein sowie der Diskurs auf nationaler und internationaler Ebene.

In den Jahren 2016/2017 begleitete FOKUS ein Modellprojekt

Das Modellprojekt zur Unterstützung der gelingenden Implementierung des Genesungsbegleiter-Ansatzes für Organisationen, die (neu) mit EX-IN Genesungsbegleiter arbeiten wurde durch eine Evaluation begleitet. Die Aktivitäten von FOKUS im Modellprojekt hatten das Ziel: Die Einführung des EX-IN Genesungsbegleiter-Ansatzes bremenweit zu fördern (3 Ebenen: Institution, Mitarbeiter, Genesungsbegleiter). Das Mittel waren verschiedene Formate, in denen Expertenwissen und Kapazitäten den Organisationen zu gute kommen können, um einen gelingenden Prozess auf allen drei Ebenen zu unterstützen:

  • Workshops
  • Jobcoaching
  • Supervision
  • Evaluation

Die Ergebnisse diese Projektes wurden in einem Bericht zusammengefasst.

Download des Projektberichtes

zum Seitenanfang

Bericht einer Teilnehmerin · Traumreise

Stellt euch vor ihr seid ganz gut auf eurem Weg, gefestigt und es läuft einiges rund.

Trotzdem seid ihr in einer Dunkelheit, ihr seid auf einem Weg, ohne die Abzweigungen zu bemerken, es ist dunkel und der Weg ist lang.

Es läuft ganz gut, aber immer ähnlich, und bei jeder Abzweigung seht ihr etwas beleuchtet, ihr seht was machbar wäre, was erreichbar ist.

Ihr seid schon ziemlich weit gekommen und zufrieden, aber irgendwie fehlt etwas, ihr wollt dem Erlebten noch immer einen Platz in eurem Leben geben, aber dieses mal so, dass es einen Sinn macht, dass es hilfreich ist, ihr vielleicht sogar nützlich sein könnt mit eurer Erfahrung.

Manchmal seht ihr eine Freundin auf einen Kaffee, diese arbeitet in einer Psychiatrie und erzählt euch von ihren Erfahrungen, und auf einmal wird euer Herz warm, ihr wollt auch so eine Arbeit machen, aber wie?

Für ein Studium ist es auch irgendwie schon zu spät, und außerdem wollt ihr schnell in solch einem tollen Berufsfeld arbeiten, ihr erzählt eurer Freundin von diesem utopischen Wunsch.

Hier bei einem leckeren Kaffee erfahrt ihr das erste mal von EX-IN, in der Klinik eurer Freundin sind Genesungsbegleiter angestellt, und eure Freundin kann euch einiges über die Weiterbildung erzählen.

Plötzlich leuchten die Abzweigungen in eurem Tunnel auf eurem geraden Weg heller, das Erreichbare, das Mögliche drängt sich förmlich auf, während ihr euren Weg entlang geht.

Aber es gab natürlich immer einen guten Grund, wieso ihr nicht längst mal an einer Abzweigung abgebogen seid. Ihr wisst, dass ihr eigentlich ganz gut in sowas seid, und wisst auch was ihr könnt, kennt sogar eure Grenzen. Aber trotzdem gab es viele Hinderungsgründe abzubiegen und etwas neues gewichtiges auszuprobieren. Da meldeten sich Gedanken wie „das ist zu kompliziert“, und „was wäre wenn“, dann Glaubenssätze wie „das funktioniert sowieso nicht“, und „das nimmt eigentlich viel zu viel Zeit in Anspruch.“ Allem voran: „was ist, wenn ich das doch nicht so gut kann, und dann alles umsonst wäre …?“

Aber das Gespräch beim Kaffee, es blieb euch im Gedächtnis, ihr habt angefangen zu recherchieren, euch die Ex-In Weiterbildung immer mehr zuzutrauen, und schlussendlich habt ihr eine Bewerbung und einen Krisenlebenslauf geschrieben.

Ihr habt euch natürlich gefragt, ob das alles nicht viel zu privat, viel zu ausführlich ist, was ihr dort preisgegeben habt. Es kamen wieder Zweifel: bekomme ich überhaupt eine Einladung zur Bewerberrunde?

Der Zweifel kam nicht mehr oft und die Einladung relativ zügig.

Die Bewerberrunde steht bevor, ganz einfache Fragen wie „was soll ich nur anziehen“ und „welchen Menschen begegne ich dort?“ begleiten euch schon den Abend zuvor, und ließen euch kaum ein Auge zutun.

Bei der Bewerberrunde kam direkt etwas, was ihr selbst eigentlich nicht so gerne macht, Gruppenarbeit. Lieber arbeitet ihr allein, zumindest ist das zu dem Zeitpunkt noch so gewesen. Bei der Rückmeldung, es war ein Reflecting Team, war euch mulmig zumute, und ihr musstet mal wieder kompensieren, wie es mit eurer Wertschätzung euch selbst gegenüber so steht.

Aber der Tag war geschafft, eine Rückmeldung zur nächsten Woche zugesichert. Ihr wart ziemlich sicher, das war gut gelaufen; nur ein wenig Zweifel bezüglich der Bewerberzahl und der viel weniger zu vergebenen Plätze blieb.

In den zwei Wochen darauf kam keine Rückmeldung wie erwartet, ihr wurdet nervös, unruhig, und euer Gewissen meldete sich: was, wenn ich lieber nicht die Abzweigung hätte gehen sollen? Was, wenn ich Recht hatte, dass es doch eh wieder nichts wird? Was, wenn ich es besser nicht hätte ausprobieren sollen? Und die Woche darauf: die nehmen mich nicht, das ist jetzt klar.

So schnell geht es von selbstsicher und dem Gefühl dass es gut lief zu: es lief doch nicht so ganz gut und das wird nichts. Kurz darauf kam dann der Brief, ihr habt den Platz für die Weiterbildung bekommen, obwohl euch doch schon klar war, das kann nichts mehr werden. Ihr wisst bis heute noch nicht so ganz genau, ob ihr vielleicht den Brief bekamt, weil jemand anderes absagte, aber das ist heute völlig egal, denn ihr steht nun an einem ganz anderen Punkt als zu der damaligen Zeit. Es ist einfach nicht mehr wichtig aus welchen Gründen nun die Zusage kam. Wichtig für eure Selbstachtung, Selbstwahrnehmung und die Zuversicht, dass die Dinge gelingen werden, war die Zusage, und das Begehen dieses Kurses war Gold wert.

Als ihr zu eurem ersten Modul vom EX-IN Kurs gefahren seid, wusstet ihr kaum, was euch erwarten würde. Ihr wart unglaublich nervös; und ehrlich gesagt war es euch ein Rätsel, wie es funktionieren soll, von Morgens um neun bis Nachmittags um siebzehn Uhr Unterricht in einer großen Gruppe durchzuhalten. Mal wieder überkam euch das Gefühl, dass ihr euch zuviel vorgenommen habt, dass ihr einen Fehler gemacht habt, diese Weiterbildung anzustreben. Fühlt ihr euch auch noch so fähig für diese Tätigkeit, so fragt ihr euch trotzdem, ob so viele Stunden zuhören, sich einlassen, Gruppenarbeit, wie auch Gruppendynamik, euch zuträglich sein werden.

Aber dies konntet ihr nur herausfinden, indem ihr es erlebt.

Das erste Modul: viele Menschen, viele Eindrücke und jeder sucht noch seinen Platz, Vorstellungsrunden und Spiele, und auch Gruppenarbeiten wechselten sich ab. Ihr seid erst mal sehr angespannt und denkt schon daran, in der Pause in das nette Restaurant zu gehen, das ihr auf dem Hinweg gesehen habt. Und ihr seid dort tatsächlich hingegangen, aber nicht allein, eine andere Kursteilnehmerin hat euch begleitet, und es war wirklich echt nett gewesen.

Wie von Zauberhand war man unter diesen ganz neuen Gesichtern gar nicht so fremd, was ihr wiederum befremdlich fandet, aber es war so.

Es gab eine besondere Dynamik, man könnte fast schon sagen Verbindung miteinander. Es war nicht unangenehm, zumindest nicht so, wie es von euch erwartet wurde. Es gab keine unangenehmen Gesprächspausen, und selbst die Gruppenarbeiten waren schon in den ersten drei Tagen wirklich super und die Teilnehmer direkt vertraut untereinander. Da war irgendwie sowas wie ein Spirit, den ihr so noch nicht kanntet.

Und nachdem die ersten Tage geschafft waren, wart ihr es auch, aber so richtig. Doch ihr habt gemerkt, dass ihr etwas, was euch noch am Anfang der Woche fast unmöglich erschien, wirklich schon mit Leichtigkeit geschafft habt, auch wenn ihr danach erstmal erschöpft wart.

Es folgten weitere Module, Gruppenarbeiten, die Wahl der Portfolio und Supervisionsgruppen. Die Gruppendynamik war irgendwie besonders und ihr wusstet schon genau mit welchen Teilnehmern ihr durch den Kurs gehen wolltet, Portfolio und andere Sorgen teilen wolltet.

Zu Beginn dachtet ihr, dass ihr die Inhalte schon kennen werdet und, naja, nicht allzu viel neues dazu lernen werdet, und zum Teil mag dies auch jetzt zum Ende noch so sein. Was allerdings wirklich passiert ist, ist sowas wie dass ihr neu seid, ja das hört sich komisch an. Aber es ist mit euch etwas passiert während dieses Kurses.

Ihr habt Handwerkszeug an die Hand bekommen, welches euch ein neues Gefühl von Sicherheit für die Tätigkeit gegeben hat. Es gab Module, da seid ihr an eure Grenzen gekommen und über euch hinaus gewachsen, vielleicht sogar ohne dass dies ein anderer bemerkt hätte, außer ihr selbst.

Da war diese eine Übung, die werdet ihr nie vergessen, zum Reflecting Team. Ihr wart so überrascht, gerührt, verwundert, aber am Ende des Tages war diese Erfahrung etwas wunderbares.

So etwas war euch noch nie passiert, ihr habt eure Begriffe vorgelesen zu eurer Recovery-Geschichte, und andere Kursteilnehmer haben im Reflecting Team darüber gesprochen. Für euch war es fast nicht auszuhalten zu hören wie eure Begriffe verstanden wurden, wieviel Verständnis und Erkennen bei den anderen Teilnehmern zu hören war Ihr wart gerührt und berührt zur gleichen Zeit und konntet die Tränen nicht zurück halten. Ja, so etwas war euch noch nie zuvor geschehen, und ihr wusstet auch nicht, dass eure vergangene Geschichte überhaupt noch irgendetwas in euch bewegen konnte.

Dann waren da die vielen Momente, wo ihr vom Ich- zum Wir-Wissen gelangt seid. Auch damit habt ihr nicht gerechnet, soetwas gibt es nicht in Lehrbüchern, und auch hier gab es eine Bereicherung eures Wissens, mit der ihr zu Beginn des Kurses nicht gerechnet hattet.

Es gab einfach Erfahrungen, mit denen hättet ihr vor diesem Kurs sehr wenig bis gar nichts anfangen können, dies hat sich dank der vielfältigen und offenen Beiträge der Kursteilnehmer gewendet, und es überkommt euch immer wieder eine Dankbarkeit dafür, mit wieviel Mut und Offenheit die Teilnehmer dabei waren.

Nach einigen Modulen wart ihr aber immer noch nicht ganz sicher, was genau ihr eigentlich besonders gut anbieten könntet, wo eure besonderen Fertigkeiten liegen, welche Ressourcen für eure Arbeit am nützlichsten sein würden.

Dies änderte sich spätestens nach dem ersten Praktikum, welches euch darin bestärkt hat, dass ihr viel mehr anzubieten habt, als ihr euch selbst zugestehen wolltet. Die Erfahrungen, die ihr dort gemacht habt, waren einzigartig und neu für euch. Ihr wurdet anerkannt, eure Erfahrungen absolut Wert geschätzt. Dies war ein besonderer Wendepunkt in eurer Weiterbildung.

Ihr habt euch immer sicherer gefühlt, nach und nach. Wusstet immer intuitiver, wo und wie ihr hilfreich sein könnt, in welchen Bereichen ihr euch für die spätere Zukunft arbeitstechnisch seht. Spätestens, als ihr zum Trialog ein Familienmitglied eingeladen habt, wurde euch klar, dass eure Befürchtungen, die euch ständig vor allem neuen was ihr ausprobiert habt begleiteten, absolut unnötig sind.

Auch beim Angehen eures Portfolios ist dies immer wieder zu Tage getreten: alle Befürchtungen waren nur dies, sie haben sich nicht einmal bewahrheitet.

Wenn ihr erst einmal den Anfang gemacht habt, und da war es nach eurer nun neuen Erfahrung ganz egal, um was es ging, dann gelang es euch auch. Und diese Erkenntnis ist wahrscheinlich eine der wichtigsten, die ihr durch die EX-IN Weiterbildung erlangt habt.

Ihr wisst nun ganz genau, wo eure Stärken liegen. Ihr habt Träume davon, eigene Recovery Gruppen anzubieten, würdet euch auch vorstellen können, einen Trialog mit zu betreuen, habt tolle Ideen bezüglich des Ressourcen orientierten Arbeitens mit Klienten und habt bei den Gedanken daran nicht einmal mehr die Befürchtung, ihr könntet dies nicht schaffen oder gar versagen. Diese negativen Glaubenssätze, von frühester Kindheit an geprägt, sind bezüglich eures eigenen Vorankommens in der Gesellschaft einfach nicht mehr vorhanden.

Nun seid ihr am Ende eures Weiterbildungskurses und ihr fragt euch, was es jetzt vielleicht noch wichtiges zu sagen gibt, was bleibt, was ungesagt ist?

Vielleicht würdet ihr denen, die sich noch fragen, ob sie so etwas schaffen können, ob sie die Kraft und den Mut haben, die Ressourcen so einen Kurs und auch die Arbeit, die danach damit verbunden ist, zu meistern, sagen wollen: versucht es, seid mutig, vergesst eure negativen Glaubenssätze und kommt ins Tun, denn jeder Versuch, jede Abbiegung ist es Wert, genommen zu werden …

Vielleicht würdet ihr aber auch einfach nur Danke sagen, danke für diese Möglichkeit, in der ihr euch selbst neu kennen lernen durftet, aber auch lernen durftet, wie ihr mit euren gemachten Erfahrungen und gemeisterten Krisen anderen Menschen Hoffnung geben könnt und ihnen auf ihrem Genesungsweg hilfreich zur Seite stehen könnt.

zum Seitenanfang